Halbzeit (24.03.2017)

06 April 2017

Nach drei Monate im  in Vietnam, sitze ich nun am Flughafen von Ho Chi Minh City. Mein Visum läuft nämlich in zwei Tagen ab und das heißt, dass ich dieses Land, welches mir ungeheuer ans Herz gewachsen ist, vorerst verlassen muss, um bei der Rückreise folgend wieder ein neues Visum beantragen zu können. Konkret heißt das auch : URLAUB in Thailand und Kambodscha.

Aber bevor ich in diesen starte, will ich nochmals die letzte Woche reflektieren.

Das Wochenende hielt leider weniger Regen bereit bescherte uns weniger Regen als wir erhofft hatten. ich dies erhoffte. Sprich : wieder Wassermangel. Dieses Mal planten die Jugendlichen, Erzieher und ich aber im voraus. Das bedeutete, dass im Laufe des Tages immer wieder Eimer mit Wasser aufgefüllt wurden, damit man abends,  trotz Schwierigkeiten, sich waschen konnte, den Küchenabwasch machen konnte und  das Wichtigste : gekocht werden konnte. Und, um ehrlich zu sein, gewöhnt man sich eigentlich an alles.

 

Ansonsten verlief die Woche relativ ähnlich wie die vergangenen Wochen :  Gartenarbeit, Schweinestall ausmisten, kochen, putzen und soviel wie môglich Zeit miteinander genießen.

 

Nur etwas war anders, denn ich wusste, dass ich den Jugendlichen nun irgendwie erklären muss, dass ich die Farm für einen kleinen Zeitraum verlassen würde. An sich „kleine Aufgabe“, aber …. „große Hürde“. Denn einen frühzeitigen Abschiedsschmerz wollte ich auf keinen Fall herbeiführen. Also entschied ich mich, einen kleinen Kalender zu basteln, (mit ähnlicher Funktionsweise wie bei uns der klassische „Adventskalender“) damit die Jugendlichen wissen, wann ich wiederkomme.

 

Diese Message kam an.

Und daraufhin bereitete man mir an meinem vorletzten Tag ein vegetarisches Festmahl vor, um sicher zu sein, dass ich dieses Land bloß nicht hungrig verlasse. In meinen Gedanken war das eigentlich schon eine Art „symbolischer Abschied“….

 

Für die Jugendlichen gab es aber ein anderes,  mir nicht bewusstes „Problem“: Sie meinten nämlich, dass ich mit meinem Bart noch zu sehr einem ihrer Schweine ähneln würde und eigentlich so „nicht unter die Leute gehen“ könnte.

 

Und kurz darauf erhielt ich auch schon die erste fremdbestimmte Rasur meines Lebens. Ein Spektakel mit einem Opfer (mir), einem Henker (Erzieher) und 14 neugierigen Zuschauern.

 

Somit ein Paar Gramm leichter, passte ich dann wieder ins vietnamesische Schönheitsbild und wurde von den Jugendlichen als „gesellschaftstauglich“ befunden. Als ich mich am Abend schlafen legte, musste ich noch  über diese Aktion schmunzeln.

 

Am Donnerstag Morgen war es dann auch schon so weit : die Busfahrt nach Hué erwartete mich! Einige der Jugendliche waren leicht melancholisch ….  aber ich versicherte ihnen, dass ich wieder zu kommen wûrde. Eine letzte Runde „Da Cau“ (Fuss-Federball) und ich machte mich auf den Weg…

 

Auch wenn es mir selbst etwas schwer ums Herz war, wurde mir sehr

bewusst, dass die Vorstellung, im Juni „richtig“ Abschied nehmen zu müssen,  dieses etwas schwieriger sein wird, als ich mir das am Anfang vorstellen konnte.

 

Zurückblickend lässt sich nun aber sagen, dass ich in diesen drei Monaten viel Neues sehen durfte, das Glück hatte, in eine komplett andere Lebensweise eintauchen zu können …. tolle Menschen kennengelernt habe, mehr als nur ein Essen mit Fremden und neuen Freunden geteilt habe und Erfahrungen gemacht habe, die ich nicht mehr missen will und die mich höchst wahrscheinlich nicht so schnell verlassen werden.


Aber nun heißt es, wie im Anfangsteil berichtet, erstmal „Urlaub“!