Hièu không? Không hièu! (Verstanden? Nicht verstanden!Blogeintrag vom 25. Februar 2017

23 March 2017

Nach meinem hektischen Treiben im Süden Vietnams, sollte es dann diese Woche so weit sein: Nam Dong wartete auf mich und ich ließ diese schöne Berggegend, mit all ihren kommenden Abenteuer nur ungern warten!

Jedoch zwangen einige dringlichere Angelegenheiten mich dazu bis mittwochs im Büro des OGCDC Team zu arbeiten.

Leider ruft die Pflicht, dann doch in einigen Fällen lauter als das Abenteuer!

Aber sei es drum! Der Donnerstag kam schnell. Und wiedermals, nach vietnamesischem Standard ging es früh los. Dr. Nanh und Phuong Anh, die Assistentin von Dr Nanh, holten mich mit einem AUTO ab, um nach Nam Dong zu gelangen. Ungefähr eine Stunde Fahrt.

Die Fahrt erscheint mir jedes Mal wie eine Bootsfahrt auf einer fremden Insel, fern von jeder Zivilisation. Denn je weiter man aus Hué herausfährt, desto weniger Menschen und Häuser vor einem vorbeiziehen.

Und das geht so lange, bis man sich schlussendlich in einer unglaublichen Berglandschaft befindet. Das Wolkendach scheinbar nur wenige Meter entfernt, die Umgebung grün und anstatt „Mensch“ grüsst der „Wasserbüffel“. Und so fuhren wir weiter und ich konnte die Landschaft fast bis zur unserer Ankunft genießen.

Denn wir sollten nicht gleich zur BioFarm fahren, sondern nur einen „kleinen Abstecher“ zur örtlichen Verwaltungsstelle machen. Höfliche Begrüßung, kleines Gespräch (ich verstand kein Wort) und zum Schluss noch eine Ankündigung, dass man dann später am Morgen „nur“ noch die Polizei sprechen musste. Dieses harmlose „Nur“, schien aber nur mich zu beunruhigen, also nahm ich es nicht zu sehr zu Herzen.

Wir fuhren also vorerst  weiter zur Biofarm, wo wie wir auch schon einige der fleißigen Bewohner dabei beobachten durften, wie sie ein Stück Land umgruben.

Als wir mit dem Auto vorfuhren, wurden die Späten vorerst niedergelegt, um uns zu begrüßen. Zu meiner Freude konnten sich noch alle Bewohner an meinen Namen erinnern. (Mein letzter Besuch lag schon mehr als einen Monat zurück.)

Dabei sollte sich nochmals kurz ins Gedächtnis gerufen werden, dass es sich hier um Menschen mit einer kognitiven Behinderung handelt. Es freute und ehrte mich daher umso nicht als „YOU“ angeredet werden… Ja manchmal sind es die Kleinigkeiten.

Vor Ort durfte ich dann kurz meine Sachen ausladen und den Ausblick auf die Berge genießen, bis Dr. Nanh, mit dem Blick auf die Uhr, mich dann auch schon wieder in die Realität zurücknahm und meinte, wir sollen noch kurz zur Polizei gehen.

Leichte Nervosität, machte sich dann trotz beruhigender Worte breit.

Wer ist es auch schon gewohnt in einem Polizeirevier vorzutanzen, ohne irgendwelche Worte mit den Zuständigen klären zu können?

Als wir ankamen war erst mal niemand in der Polizeistation. Nach kurzer Wartezeit (30 Minuten) hörte man aber ein Moped durch die Gegend brummen. Ungewöhnlich für 11 Uhr morgens, da die hiesige Bevölkerung während dieser Zeitspanne ihre Mittagspause genießt. Bilder meines bevorstehendem „vietnamesischen Verhörs“ schossen mir durch meinen Kopf.

Ein übelgelaunter Polizist der durch einen Touristen wie mich, um seine Mittagspause gebracht wird… schlechte Karten. Naja, im Ausmalen von Horrorszenarien war ich wohl schon immer gut.

Aber ganz so schlimm  wurde es dann doch nicht.

Jedoch sollte ich mit einem Punkt Recht behalten, denn ganz freudig war der gute Mann sicherlich nicht.

Dr. Nanh erklärte mir, dass ich als europäischer Freiwilliger ein Präzedenzfall in Nam Dong sei und daher dann doch einige Sachen verhandelt werden müssen.

Aber schlussendlich blieb es dann doch beim Vorstellen und der vorläufigen Erlaubnis in Nam Dong zu bleiben.

(Ich wurde ihn dieser Woche noch weiter drei mal verhört und einmal festgehalten)

Meiner Arbeit stand auf der fürs erste nichts mehr im Wege. Nachdem dies gewusst war, verabschiedeten sich auch Dr. Nanh und Phuong Anh, um nach Hué zurück zu kehren.

Und somit blieb ich ohne jegliche Möglichkeit, mich auf einer geteilten Sprache zu verständigen, zurück.

Die Bewohner störte es wenig, da sie sich in der Mehrzahl der Fälle non-verbal verständigen. Das pädagogische Team und ich hielten unsere Smartphones, als Übersetzer in der Not bereit.

Aber all diese scheinbar furchtbar  komplizierten Umstände, konnten durch Körpersprache und Wortfetzen (meine vietnamesische, ihre englische) relativ einfach gelöst werden.

Eine fast schon gegenteilige Situation macht sich bemerkbar. Ich sehe/sah das ganze nämlich sogar als eine Chance an, da jeder auf eine einzige Ebene gesetzt wird! Kooperation par excellence! Und so entstanden non-verbale Kommunikationsmöglichkeiten, die an manchen Stellen viel einprägsamer waren.

Denn die banale Tatsache verstanden zu werden war und wird von nun an keine Selbstverständlichkeit mehr sein … sondern vielmehr ein Erfolgsmoment, den man in jeder Sekunde zu schätzen weiß.

Eine Wertschätzung, die man im gewohnten Alltag, nie als solche beachten würde, jedoch eine Grundlage von emphatischen Verhalten ist. Eine Erkenntnis, die evt. dazu verhilft die Frustration aller Nichtverstandenen dieser Welt zu verstehen.

Und mit dieser fast schon emotionalen Beschreibung, will ich diesen Bericht schließen und den Leser in seine eigene Gedankenwelt verabschieden!