Da kann schon mal was ins Auge gehen! (Blogeintrag 18.02.2017)

15 March 2017

Zurück in Ho Chi Minh City und einen Ruhetag später, mussten Hà und ich, das erste Mal keine Reise auf uns nehmen, um eines der von AAV finanzierten Projekten zu besichtigen.

Denn ganz zentral in dieser Metropole(im Distrikt 3), liegt das Eye-Center.

Das achtstöckige Gebäude, befindet sich in einer Seitengasse, der Empfangssaal (6:30) war bereits voll (geschätzte 50 Menschen), ich bemerkte dass sich hier überwiegend alte Menschen befanden.

Nach kurzer Vorstellungsrunde, war dann auch schon 07:00 und das Getümmel ging ab diesen Zeitpunkt los und endete erst am Folgetag.

Ich will diesen fast schon mechanischen Ablauf mit nahezu perfekter Koordination, durch eine Aufzählung beschreiben um meine Worte, ganz nach dem Motto des Eye-Centers, möglich kompakt und effizient zu gestalten:

Mittwoch:

07:00 Aufruf der Person in 10 Gruppen  – Transport zum zweiten Stock

07:15 Nachdem alle Personen auf dem Stock sind, Kontrolle der Papiere

08:00 Individuelle Augenkontrolle, je nachdem Augenscan

09:30 Zuweisung des Schlafsaals (15 Personen pro Schlafsaal)

10:00 Allgemeiner Gesundheits-Check mit Blutabnahme

11: 00 Mittagessen

Mittag Vorbereitung für Anästhesie

Ruhephase

Donnerstag:

06:30 Allgemeiner Augenscan

07:30 Vorbereitung Operation

08:00 – 11:00 Operation

14:00 Letzte Kontrollen und Besprechung der Folgetherapie

15:00 Entlassung von Patienten aus Krankenhaus

Jeden einzelnen Vorgang durfte ich miterleben und dokumentieren und mir wurde  bereits vom bloßen Zusehen schwindelig. (was auch daran lag, dass ich etwas zimperlich bin wenn es darum geht live Augenoperationen miterleben zu dürfen).

Der Ablauf den ich hier beschreibe gilt wie gesagt nicht nur für einen Einzelnen, sondern für fünfzig Patienten gleichzeitig. Das Sprichwort „warten bis der Arzt kommt“ dürfte in diesem Kontext jegliche Bedeutung verlieren!

Der führende Arzt (Dr. Hoang) erklärte mir während der Mittagspause die Situation und brachte sehr viel Licht ins Dunkle.
Das Eye Center gibt Leuten ohne ausreichende finanzielle Mittel, die Möglichkeit eine vorzeitige Erblindung zum umgehen. Behandlung, Unterkunft und Therapie sind dementsprechend kostenlos. Die Familien müssen „nur“ den Transport mit ihren eigenen finanziellen Mitteln erstatten.

Das „nur“ ist allerdings ein ernstzunehmendes Problem, da die Leute meist aus der ärmeren ländlichen Umgebung kommen und sich daher die Reise nicht zwangsläufig finanzieren können
Dr. Hoang erklärte mir, dass das Krankenhaus durchaus bekannt wäre und die Leute wie aus Strömen zu ihnen laufen. Es wird aber nicht mit Allmacht geworben, sonder mit Effizienz in einigen Kernbereichen. (Operation um die Ausbreitung des grauen Stars zu verhindern, Verteilung von Brillen an Kindern, Sehtests in Schulen und Behandlung von Augenbeschwerden, bei dem Ausbruch der Aids Erkrankung). Alle anderen Bereiche der Augenmedizin bleiben unberührt, um den effizienten Workflow auch weiterhin garantieren zu können.

© Aide au Vietnam

Weiter erklärte mir Dr. Hoang aber, dass diese Bekanntheit ein zweischneidiges Messer sei.

Auf der einen Seite strömen die Leute zu Haufen in das Eye-Center und können eine Hilfe erhalten.

Auf der anderen Seite wird die Notwendigkeit lokale Behandlungszentren zu errichten unbeachtetoder ist durch das fehlende ausgebildete Personal, unmöglich.

Dem Eye-Center ist es daher ein enormes Anliegen, auf Nachhaltigkeit zu setzen, damit in Zukunft zumindest ausreichend medizinisches Personal existiert, um dem lokalen Bedarf gerecht werden zu können. Zum Abschluss zeigte mir Dr. HOANG dann noch sein Studententeam, das dabei war die Videoaufnahmen der am Morgen aufgenommen Augenoperationen zu reflektieren. (Möglich durch Kameras, die in die Mikroskope eingebaut sind).

Ich war begeistert und verblüfft von den beiden Tagen! Meine zukünftigen Augenarzttermine werde ich aber wohl für immer „mit anderen Augen“ sehen.

Und so endete meine Reise durch den Süden.  Die Projekte im „Kasten“ , blicke ich nun auf meinen Aufenthalt fernab von jeder Metropole, denn „Nam Dong is calling“ !

 

 

 

 

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